Hecht versus Mensch

Mein Angelerlebnis mit einem Hecht

Vorbereitungen für meinen Angeltag

Es war ein Samstag Ende November. Ein Tag auf den ich mich schon die ganze Woche gefreut hatte. Die Familie hatte mir freigegeben, ein Traum für jeden Angler, der seit Wochen seinem nächsten Angelgang entgegenfiebert. Alles war präzise geplant und vorbereitet. Ich ging in Gedanken noch mal alles durch: Teleskopruten komplett montiert, 35er Schnur, Hechtpose und Stahlvorfach mit Doppeldrilling. Eine Montage die langerprobt und für gut  befunden wurde. Mein Angelrucksack war mit allem, was der Kleiderschrank an Thermosachen hergab, gefüllt. Auch die Stiefel waren bereits im Auto verstaut. Brote waren geschmiert, Kaffee war gekocht…Es konnte losgehen, raus in die unerbittliche Kälte, wacker und siegesbewusst…Petri Heil, das wird ein guter Tag, das hatte ich im Gefühl. Freudestrahlend ging ich raus zu meinem Auto und dort wurde ich auch schon herzlichst mit Blumen erwartet. Eigentlich sollte man denken, das wäre ein Grund zur Freude, war es aber nicht, da es sich um Eisblumen handelte. Eiskratzen hieß es dann, aber das konnte mir die Laune nicht verderben.

Endlich am Hardy-Teich – Das Angelabenteuer konnte beginnen

Endlich am Hardy-Teich angekommen hatte ich nur noch eins im Kopf: Grundangeln, war das, um was es jetzt noch ging. Also erstmal ran ans Auspacken. Der Rutenhalter wurde aufgestellt, die Rotaugen waren abgeschlagen. Mein persönlicher Lieblings-Hecht-Köder wurde mittels eine Spritze mit Lockstoffkonzentrat präpariert und jeweils mit zwei Drillingshaken versehen. Der Köder wurde dann unmittelbar an der Rutenspitze heruntergelassen und die Angelschnur noch mit einem Schnurclip an der Rute fixiert. Jetzt konnte der Hecht kommen und meinen Köderfisch attackieren. Der Schnurclip würde mir schon verraten, wenn der Kampf mit einem Hecht los geht, denn meine Hechtposen waren in der Dunkelheit schlecht zu erkennen. So jetzt hieß es, Abwarten und Tee trinken, naja in meinem Fall wohl eher Abwarten und Kaffee trinken. Die Kälte leistete mir brav Gesellschaft und sorgte für eine kleine Verfärbung der Hände, aber das konnte mich nicht schocken. Langsam wurde es hell und der Tag erwachte, als ich ein Plätschern hörte. Die Vorfreude übermannte mich fast. War da etwa schon mein Hecht? Ich musste zu den Angeln und nach den Posen schauen.

Mein Angeltraum wurde wahr – Der Kampf mit dem Hecht

Nichts zu sehen, aber Stopp, die Schnur hatte sich aus dem Clip gelöst. Von allein? Kann das möglich sein? Und dann durchfuhr es mich, es ging los…Die Pose fing an zu wandern und ich setzte schnell den Anschlag. Ich spürte einen enormen Widerstand und meine Hechtrute zeigte eine ebenso deutliche Reaktion. Fast hätte sich die Schnur verabschiedet, aber die Rollenbremse war perfekt eingestellt. Die Rolle begann mit ihrem ureigenem Gesang und ich konnte fast nicht mehr standhalten. Irgentwas stimmt hier nicht, durchfuhr es mich. Kein Hecht, vielleicht ein Wels. Hechte treiben normal nicht mit der gleichen Geschwindigkeit, obwohl viele Angler da geteilter Meinung sind. Und plötzlich gab es keinen Wiederstand mehr. Enttäuschung machte sich breit und das Schlimmste die Rotfeder, weg. Ich schaute deprimiert zu meinem Rutenhalter hinüber. Die Pose! Die Pose, sie war komplett verschwunden. Ich wusste nicht wo sie war und wie lange sie schon weg war, aber eins wusste ich genau, es war noch nicht vorbei. Das einzige was ich sah, war wie sich die Schnur von rechts nach links bewegte. Jetzt war die Pose wieder zu sehen. Sie schnellte unter der Wasseroberfläche entlang und ließ mir das Herz bis zum Hals schlagen. So, jetzt aber schnell den Anschlag setzen, das sich wenigstens einer der Drillingshaken im Maul des Hechtes verankern kann. Und dann gab der Räuber mir auch schon zu verstehen, das der Haken nicht ganz nach seinem Geschmack war. Und dann sah ich ihn, in all seiner Pracht und bot mir eine kleine Tanzeinlage auf seiner Schwanzflosse. Ein Anblick, den ich wohl nie vergessen werde. Ein Traum für jeden Angler. Der Prachtbursche fordete bis zur letzten Minute all meine Kraftreserven. Ich weiß nicht mehr wie lang das Duell Hecht versus Mensch ging, doch irgentwann war ich endlich soweit, das ich den Prachtkerl keschern konnte. Ein Prachtbursche von einem Hecht, mit stattlichen 103cm, der mir damals wie heute, wenn ich nur daran denke, ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

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